Metadatenworkflow für Postproduktion und Online Video – Teil 1 Drucken
Geschrieben von: Sven Brencher   
Freitag, 24. Oktober 2008 um 12:24
Metadatenbedienfeld in Premiere Pro CS4
Erfassung von Metadaten in der Postproduktion

Metadaten sind in Bilddateien und im Designprozess längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Mit der Creative Suite 4 bietet Adobe jetzt sinnvolle Workflows für die Videoproduktion. Das Ziel: Die Arbeitsprozesse von der Planung bis zur Ausgabe sollen vereinfacht werden und die Software unterstützt die einzelnen Abteilungen bei einer besseren Zusammenarbeit.

Vorteile von Metadaten

Metadaten sind Informationen und Beschreibungen zu einem digitalen Medienasset. Dazu gehören z.B. Stichworte, Copyright, Beschreibung des Inhalts, Ort der Aufnahme, Darsteller uvm. Der Vorteil in der Produktion ist, dass Dateien sehr schnell gefunden werden, denn Metadaten sind Textinformationen, die den Standard XMP nutzen und direkt in die Dokumente eingebettet werden. Jede XMP fähige Software, darunter alle CS4 Anwendungen und auch die Adobe Bridge, aber auch viele Datenbanken können XMP Metadaten durchsuchen. Selbst bei der Ausgabe sind diese Informationen verfügbar und im Internet ist die Chance einen Clip mit Metadaten zu finden höher, denn die Suchmaschine kann den Inhalt eines Videos nicht bewerten.

XMP ID

Jede der CS4 Videoapplikationen von Adobe beginnt beim ersten Import einer Datei bereits automatisch mit der Vergabe von Metadaten, denn die Programme verteilen einen Stempel, der die Datei eindeutig ausweist. Dadurch ist jedem Asset, ähnlich wie ein ISBN Code, eine eindeutige XMP ID zugeordnet und weitere Systeme können dieses Asset in folgenden Prozessen erkennen. Diese Eigenschaft wird über die Voreinstellungen der Programme eingerichtet und man sollte die entsprechende Funktion zum Schreiben der XMP-ID beim Import auf jeden Fall aktivieren.

Metadaten in der Planung

Adobe Onlocation CS4Bereits in der Planung eines Videoprojektes kann man viele Informationen sammeln. Oft wird vor dem Dreh eine Shotlist erstellt, die Informationen über den Drehtag, Drehort, Beschreibung, Einstellung und Mitwirkende enthält. Diese Informationen kann m an in Adobe OnLocation CS4 eingeben. Über Direct-to-Disc Recording kann man die Shotlist-Einträge direkt mit Videoclips verknüpfen und die gesammelten Informationen sind dann bestandteil der aufgezeichneten Datei. Weitere Informationen lassen sich dann später dem Metadaten Bedienfeld hinzufügen. So kann man z.B. eine detaillierte Beschreibung oder eine Bewertung ergänzen.

Einziger Wermutstropfen an dieser Stelle: OnLocation arbeitet nur mit DV, HDV und DVCPRO Material zusammen und andere Formate sind von diesem Workflow ausgenommen. Außerdem muss man mit der benötigten Firewireschnittstelle währender der Produktion sehr vorsichtig umgehen, denn für einen hektischen Dreh sind die kleinen Buchsen definitiv nicht stabil genug.

Postproduktion mit Metadaten

Premiere Pro übernimmt die Metadaten aus OnLocation und der Cutter hat die Möglichkeit weitere Informationen zu ergänzen. Die Metadateninformationen lassen sich auch um eigene Felder erweitern und so kann man z.B. ein Feld für Projekt- oder Kunden Ids hinzufügen. Eigene Schemata lassen sich im Menü des Projekts- oder des Metadatenbedienfelds unter Metadaten-Anzeige definieren. Auch die eigenen Felder stehen programmübergreifend zur Verfügung. Premiere Pro unterscheidet Projekt- und Dateieigenschaften. In jedem Projekt lassen sich Clips Eigenschaften zuweisen, die nur im Projekt verfügbar sind. Gleichzeitig kann man projektübergreifend auch Dateiinformationen über XMP in ein Asset schreiben. Um Unterschiede in diesen beiden Eigenschaften zu vermeiden, lassen sich die Felder verknüpfen. Ändert man danach z.B. die Beschreibung in den Clipeigenschaften, so wird auch das Beschreibungsfeld in den XMP Dublin-Core Eigenschaften aktualisiert.

Gibt man im Projektfenster einen Text in das Suchfeld ein dann werden nur noch Assets angezeigt die entsprechende Dateiinformationen haben. So spart man Zeit bei der Suche nach Clips und kann sich mehr auf den Schnitt konzentrieren. Premiere Pro ermöglicht die Anpassung der Clipinformationen im Projektfenster wie in einer Tabellenverarbeitung. So kann man mit der Tab-Taste bzw. Shift-Tab zwischen Einträgen hin- und herspringen oder mit Return und Shift-Return zwischen Zeilen wechseln.

Spracherkennung
Spracherkennung bei Videoclips in Premiere Pro CS4

Bevor man weiß, was in einem Interview oder einem Dialog gesprochen wird, muss man normalerweise erst den ganzen Clip ansehen. Premiere Pro CS4 und Soundbooth CS4 verfügen jetzt über eine integrierte Spracherkennung, die einen Clip analysiert und erkannte Wörter mit Timecodeinformationen verknüpft. Wenn man weiß wann welches Wort gespochen wird, dann ist das eine enorme Erleichterung bei der Suche.

Als erstes wählt man einen Clip im Projektfenster aus und geht dann in der Metadatenbedienfeld. Dort findet man die Funktion Transkribieren. Nach Auswahl der Sprache (zur Verfügung stehen Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Koreanisch und Japanisch) wird der externe Adobe Media Encoder gestartet, der den Clip analysiert und die gesammelten Informationen in die XMP Dateiinformationen schreibt. Die Informationen aus der Spracherkennung stehen danach im Metadatenbedienfeld zur Verfügung. Ist der Clip parallel im Quellmonitor geöffnet dann genügt ein Klick auf das Wort und der Abspielkopf springt an die entsprechende Stelle wo man umgehend einen In- oder Outpunkt einfügen kann. Falsche Wörter lassen sich durch einen Doppelklick korrigieren und per Rechtsklick lassen sich Wörter löschen, hinzufügen oder kopieren. So kann ich z.B. einem Kunden den Text zukommen lassen und der bestimmt dann welchen Teil des Interviews ich im Schnitt verwenden darf. Auch das Kopieren für einen Untertitel ist denkbar, allerdings sollte die Interpunktion manuell ergänzt werden.

Kopiert man einen der Clips in die After Effects Timeline oder verwende die neue Funktion in Premiere Pro zum senden der Clips an After Effects dann stehen die erkannten Wörter als Ebenenmarken zur Verfügung. So kann man dann die Animation passend zum gesprochenen Dialog abstimmen. Bevor das allerdings funktioniert, muss man in den After Effects Voreinstellungen unter Medien- und Disk-Cache, die Funktion für die Erstellung von Ebenenmarken aus XMP-Metadaten aktivieren.

After Effects verfügt, wie alle anderen CS4 Videoapplikationen auch über ein Metadatenbedienfeld, allerdings werden hier die Informationen aus der Spracherkennung nicht angezeigt. Trotzdem lassen sich Clipinformationen ergänzen und man kann nach den bestehenden Eigenschaften im Projektfenster suchen.

Ausgabe
Ausgabe von XMP Metadaten aus Premiere Pro CS4

Das Production Premium Paket von Adobe verfügt über viele verschiedene Ausgabemöglichkeiten. Ein komplettes Schnittfenster inkl. DVD Marken lässt sich via Dynamic Link ohne rendern an Encore senden und dort kann man dann eine DVD oder Blu-ray Disc erstellen. Metadaten in den Quelldateien stehen auch hier im Metadatenbedienfeld zur Verfügung haben aber erst mal keine weitere Bedeutung. Erst wenn man ein Flash Projekt aus Encore exportiert ist es interessant, wenn die Dateieigenschaften später in den Flash Filmen wieder verfügbar sind.

Eine weitere Ausgabemöglichkeit ist die Erstellung von FLV oder F4V Clips mit dem Adobe Media Encoder CS4. In dem Premiere Pro Schnittfenster lassen sich dafür jetzt auch Flash Cue-Points hinzufügen, die beim Abspielen des Films in Flash ein Ereignis auslösen. Diesem Ereignis können über Parameter Werte mitgegeben werden und die Flash Anwendung kann mit diesen Werten dann weiterarbeiten.

Als Tipp kann man einen Cue-Point Namens fl.video.caption.2.0.x erstellen (wobei x für eine eindeutige Bezeichnung, z.B. eine Bildnummer, steht) und dieser einen Parameter text mit einem beliebigen Wert zuweisen. Verwendet man in Flash die FLVPlaybackCaptioning Komponente, dann wird in einer FLV Datei der Textwert automatisch als Untertitel ausgegeben.

Um einen Cue-Point zu erstellen wird einfach eine normale Zeitleistenmarke erstellt und per Doppelklick wird die Funktion Flash Cue-Point aktiviert. Als Typ wählt man Ereignis aus. Wird das Video jetzt unter Datei > Export > Medien ausgegeben, dann kann man in den Exporteinstellungen das Format FLV/F4V auswählen. Die Cue-Points können auch hier noch mal ergänzt oder bearbeitet werden. In dem Bedienfeldmenü der Exporteinstellungen sollte man die Funktion „XMP-Metadaten der Quelle einbeziehen“ auf jeden Fall aktivieren, denn nur so werden alle gesammelten Informationen, inklusive der Spracherkennung, auch in den Clip exportiert.

Für das Beispiel in Flash später sollte ein F4V Clip exportiert werden. F4V basiert auf dem H.264 Codec und wird seit dem Flashplayer 9.0.r115 unterstützt. Gerade bei hochaufgelösten Videos bietet der F4V Codec eine sehr hohe Qualität.

XMP Metadatendarstellung in der Adobe BridgePremiere Pro startet zum Export den Adobe Media Encoder und während dieser das Video kodiert kann man in Premiere Pro erst mal weiterschneiden. Wie man auf die eingebetteten Dateiinformationen in Flash zugreifen kann, zeigt der nächste Teil des Tutorials, aber es ist vielleicht mal sinnvoll zu überprüfen, welche Informationen im exportierten Clip vorhanden sind. Das kann man am besten über die Adobe Bridge, in dem man den Clip mit der rechten Maustaste anklickt und die Dateiinformationen aufruft. Unter den erweiterten Eigenschaften ganz rechts findet man die XMP Struktur. Alle XMP Eigenschaften sind hier aufgelistet und die Spracherkennungsinformationen findet man unter XMP Dynamic Media > xmpDM:Tracks > [1] (struct) > xmpDM:markers. Zu jedem Wort findet man hier einen Ordner, der Informationen über Länge, Inhalt, Sprecher und Startzeit enthält. Ein Wert gibt auch an, wie sicher sich die Spracherkennung war, dass das Wort auch korrekt ist.